Einkaufen Dahoam nutzt allen

Meldung vom 11.08.2020

Gespräch

„Urlaub dahoam“ ist eines der Schlagwörter dieses Sommers. In Zeiten der Corona-Pandemie ist das nicht nur eine vergleichsweise sichere Variante.  Den Urlaubstag beim heimischen Wirt ausklingen zu lassen, lässt Urlaubsfeeling aufkommen und hilft, Verluste des Lockdowns etwas auszugleichen.

Angelehnt an den „Urlaub dahoam“, spricht sich Bürgermeister Josef Schindler für ein „Einkaufen dahoam“ aus. In Gesprächen mit Petra Amann, Vorsitzende des Bundes der Selbständigen (BDS), und Johannes Schäffer, Vorsitzender des Werberings, informierte sich der Bürgermeister über die Situation der Gewerbetreibenden vor Ort. Jetzt vermehrt in Regenstauf einzukaufen, sagt Bürgermeister Schindler, bedeute mehr, als die Geschäftsinhaber zu unterstützen. Der Zusammenhalt sorge dafür, dass es das vielfältige Angebot vor Ort, das die Bürger schätzten, auch in Zukunft noch geben werde.
Die Marktverwaltung geht mit gutem Beispiel voran. Weil der Bürgermeister während der Corona-Krise Geburtstagsjubilare ab 85 Jahren oder Ehejubilare nicht zu Hause besuchen kann, gratuliert er gerne telefonisch. Statt eines persönlich überbrachten Geschenkes gibt es Post aus dem Rathaus. Der Glückwunschkarte liegt ein Oherrn-Taler bei, den der Werbering vor gut zwei Jahren auflegte. Die attraktiven Taler, die sich an die Sage vom Oherrn anlehnen, gibt es in Bronze (Wert fünf Euro), Silber (zehn Euro) oder Gold (25 Euro). Sie können von der Gastronomie über das Bekleidungs- oder Schuhgeschäft bis hin zum Baumarkt oder Dienstleister eingelöst werden.

Die Ortsgruppe des BDS wurde vor 58 Jahren gegründet. Gerade erst wurde Petra Amann als Vorsitzende einstimmig für weitere drei Jahre im Amt bestätigt. Zu den 69 Mitgliedern des BDS zählen mehrheitlich die großen Betriebe im Markt.
Aus dem BDS spaltete sich vor über 20 Jahren der Werbering ab. Ziel war es, das Marketing vor Ort zu stärken. Dazu zählt Werbering-Vorsitzender Johannes Schäffer die Marktsonntage oder gemeinsame Werbeaktionen. „Gemeinsam werden wir besser gesehen“, ist Schäffer überzeugt. Mit eigenem Budget und eigenen Einnahmen reagiert der Werbering gezielt auf die Situation vor Ort. Dem Werbering, dem Schäffer seit 15 Jahren vorsteht, gehören rund 70 Mitglieder an.
Auf die ersten Wochen des Lockdowns blickt Petra Amann mit Schrecken zurück. Bei vielen BDS-Mitgliedern lagen die Nerven blank. „Wie geht es weiter?“ oder „was wird mit meinen Mitarbeitern?“, waren die häufigsten Fragen. In der Zeit, sagt Amann, war es besonders wichtig, Hoffnung zu geben: „Das wird wieder.“ Diesen Satz wiederholte sie oft. Nach den ersten vier Wochen übernahm der BDS-Landesverband einen Großteil der Beratung. Ab diesem Zeitpunkt, sagt Amann, wurden die Gewerbetreibenden mit Informationen fast überschüttet.
Johannes Schäffer bezeichnet die sechs Wochen Stillstand „als Schlag, den man erst einmal verdauen muss“. Die Verluste dieser Wochen ließen sich nicht aufholen. Das Essen, das in der Gastronomie nicht gegessen wurde, wird jetzt nicht doppelt gegessen. Da öffentliche Feste und Familienfeiern abgesagt waren, gab es kaum Bedarf für neue Kleider oder Schuhe.
Dennoch stünden die meisten Regenstaufer Geschäfte im Bundesvergleich heute relativ gut da, freut sich Schäffer. Während Kunden große Einkaufszentren noch mieden, nehme die Regenstaufer Bevölkerung verstärkt das breite Angebot vor Ort wahr. Hätten sich Kunden in den vergangenen Jahren oft nach Regensburg orientiert, so erkennt Schäffer sogar einen Trend zurück. Der Einkauf vor Ort wird wieder geschätzt. Diesen Trend gelte es zu stabilisieren und auszubauen.
Während des Lockdowns zogen Stammkunden geplante Einkäufe vor und zeigten Solidarität mit den örtlichen Geschäften. Auch Gutscheine und Oherrn-Taler wurden vermehrt gekauft. Schäffer: „Die meisten unserer Geschäftsleute sind nicht so klamm, dass sie die Gutscheine zum Überleben brauchen. Als Geste der Kunden, wie sehr ihnen am Überleben der Geschäfte liegt, war es aber sehr wichtig.“ Viele Regenstaufer hätten gezeigt, dass sie wollen, dass die örtlichen Geschäfte weiter existieren und dass sie diese schätzen.
Wie gut das im Markt funktioniert, belegt Johannes Schäffer mit Zahlen. Während vergleichbare Geschäfte im Bundesdurchschnitt aktuell 40 bis 60 Prozent des sonstigen Erlöses erzielten, schrieben viele Regenstaufer Geschäfte aktuell ähnliche Zahlen wie im Vorjahr, teilweise sogar ein leichtes Plus. Dennoch gebe es im Kundenverhalten, was den Online-Handel angehe, Verschiebungen. Schäffer: „Da weiß man langfristig noch nicht, wie das durchschlägt.“
Mit ihrer Solidarität nutzen Regenstaufer Kunden auch sich selbst, ist Amann überzeugt. Geschäfte, die schwarze Zahlen schrieben, schafften Arbeitsplätze und zahlten Gewerbesteuer: „Je mehr der Markt einnimmt, umso mehr kann er für seine Bürger ausgeben.“

Zukunftsprognosen sind zurzeit ungewiss. Johannes Schäffer und Petra Amann hoffen jedoch darauf, dass der Kirchweihmarkt und der Marktsonntag am 1. Adventswochenende stattfinden können. Hinter dem Kirchweihmarkt im Oktober steht ein großes Fragezeichen. Großveranstaltungen sind in Bayern bis zum 31. Oktober noch verboten.
Auch wenn zu den Marktsonntagen Tausende Besucher kommen, sieht Schäffer sie nicht als klassische Großveranstaltungen. Entlang der Straße, meint er, könnten Stände so locker aufgestellt werden, dass es kein Gedränge gebe. In den Geschäften könne man die Zahl der Kunden kontrollieren. Hygieneanforderungen ließen sich problemlos einhalten.
Ein positives Zeichen der Marktverwaltung sehen BDS und Werbering in Überlegungen, den Weihnachtsmarkt nicht ganz ausfallen zu lassen. Einen zentralen Markt rund ums Rathaus, sagt Bürgermeister Schindler, wird es nicht geben. Vorstellbar wären eventuell Buden, die sich zwischen Kulturhaus und Rathaus lose aneinander reihen. Auf der Strecke der Weihnachtsmarktbummler lägen dann viele Geschäfte, die zum Weihnachtseinkauf einladen.
(Text und Fotos: Norgall, Markt Regenstauf)