Straßenbäume sind Klimaschützer vor Ort

Meldung vom 27.03.2021

Baumpflegearbeiten am Badeplatz Ramspau 300

Pünktlich vor dem 1. März, so wie es das Bayerische Naturschutzgesetz vorsieht, beendeten Mitarbeiter des Regenstaufer Bauhofes und der vom Markt beauftragte Baumpflegebetrieb Lautenschlager Pflegearbeiten an Hecken und Bäumen auf den öffentlichen Flächen. Die letzten Pflege-arbeiten fanden heuer am Badeplatz in Ramspau und beim Valentinsbad statt. So wurden dort unter anderem kranke Weiden gefällt und morsche Äste herausgeschnitten, die zu einem Sicherheitsrisiko werden könnten. Für die alten Bäume, die an den Badeplätzen weichen mussten, sind als Ersatz bereits junge Bäume gepflanzt worden.
Einmal im Jahr kontrollieren Martin und Tina Lautenschlager die gut 4.100 Bäume auf öffentlichen Flächen, die im Regenstaufer Baumkataster erfasst sind. Bäume, die das Baumkataster erfasst, sind an kleinen Metallplaketten mit Nummer zu erkennen. Das Baumkataster dient in erster Linie der Dokumentation und erlaubt einen schnellen Überblick: Welcher Baum steht wo, wann wurde er zum letzten Mal kontrolliert, gibt es eventuelle Risiken oder Besonderheiten?
Nach der Kontrolle gilt der Grundsatz: Alle Pflegearbeiten, die Mitarbeiter des Bauhofes selbst erledigen können, machen sie selbst. Was der Bauhof nicht schafft oder wo es Spezialkenntnisse oder Spezialausrüstung braucht, übernimmt der Baumpflegebetrieb Lautenschlager.
Während es für die Bürger an den Badeplätzen gar nicht genug Bäume und angenehme Schattenspender geben könne, sehe es beim Straßenbegleitgrün manchmal ganz anderes aus, berichten Bauhofleiter Wolfgang Eichinger und Martin Lautenschlager. „Ein Baum blüht, fruchtet und wirft Laub ab“, fasst Martin Lautenschlager die Beschwerden zusammen. Der natürliche Kreislauf werde als „Dreck vor der Haustür“ angesehen. Auch die Verschattung des eigenen Hauses sei oft unerwünscht.

Verständnis bei Schäden
Sollten in Einzelfällen Baumwurzeln den Gehsteig heben oder eine Gartenmauer beschädigen, hat Wolfgang Eichinger viel Verständnis für Beschwerden. Aber auch in diesen Fällen, sagt er, würden die Bäume nicht gefällt, sondern man versuche die Wurzeln zu kappen und den Baum zu retten. Für jeden Baum aus dem Baumkataster, der entnommen werden müsse, werde Ersatz gepflanzt, sagt Eichinger: „Dass ein Baum ganz weg kommt, das ist sehr selten und passiert nur dann, wenn dieser über die Maßen Probleme macht.“
Für die Pflege der Straßenbäume wende die Gemeinde viel Geld auf, betont der Bauhofchef. Bei so heißen Sommern wie in den vergangenen Jahren sei die Pflege, vor allem das Gießen, durch-aus ein Kostenfaktor.
Verbindlicher Grünordnungsplan
Wo im Markt es überall Straßenbegleitgrün gibt, das legt nicht der Markt Regenstauf allein fest, sondern das schreibt der Grünordnungsplan fest, der seit den 80er Jahren fester Bestandteil jedes Bebauungsplanes ist, erklärt der Leiter des Bauamtes, Reinhold Viehbacher. Darauf, dass die Eingrünung eines Baugebietes auch Substanz habe, achte das Landratsamt als Genehmigungsbehörde.
Seit dem Beginn der vorgeschriebenen Eingrünung habe man jedoch einiges hinzugelernt, sagt Reinhold Viehbacher. So habe sich heute die Eingrünung etwas reduziert. Man habe gelernt, dass nicht jeder Baum für den Siedlungsbereich geeignet sei. Heute setze man bei der Baumauswahl, zusammen mit dem Planungsbüro, vor allem auf hitzeresistente, einheimische Baumarten.

Bestand ist relativ jung
Baumpfleger Martin Lautenschlager berichtet von neuen Wegen, die man bei der Begrünung von Baugebieten gehen kann. So sehen neue Planungen immer öfter vor, Bäume zu einer Gruppe zusammenzufassen, quasi eine grüne Lunge für ein Baugebiet zu schaffen. Der Baumexperte rät dringend, vor dem Pflanzen eines Baumes folgendes zu bedenken: „Jeder Baum wächst und braucht seinen Platz.“
Die Bäume, die im Regenstaufer Baumkataster erfasst sind, bewertet Lautenschlager, bis auf einige Ausnahmen, als eher jung. Der Altersdurchschnitt liegt etwa bei 70 Jahren. Die ältesten erfassten Bäume am Schlossberg bringen es auf etwa 120 Jahre. Martin Lautenschlager plädiert dafür, dort, wo sie kein Sicherheitsrisiko darstellen, auch Baumsenioren zu erhalten. Totholz biete der Natur oft mehr Lebensraum als vitale Bäume. Er nennt Spechte, Fledermäuse oder viele Insektenarten als Beispiel, die auf solche Bäume angewiesen sind. Lautenschlager: „Für die Natur ist ein junger Baum oft nicht so wertvoll wie ein alter.“ Außerdem gingen durch Pilzkrankheiten aktuell ohnehin Baumarten wie Erlen oder Eschen kaputt. Birken mit ihrem hohen Wasserverbrauch könnten der Trockenheit nicht standhalten.

Lebensqualität durch Bäume
Reinhold Viehbacher, Wolfgang Eichinger und Martin Lautenschlager sind sich in einem Appell an die Bürger einig: Ein Baum bringt vor allem Lebensqualität und ist wichtig für das Kleinklima. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel und immer heißer werdende Sommer, wirkten die Bäume durch Wasserverdunstung als natürliche Klimaanlage, lieferten Sauerstoff, speicherten CO2 und filterten den Feinstaub aus der Luft. Wolfgang Eichinger ist überzeugt: „Die Qualität eines Baum-schattens kann mir kein Sonnenschirm liefern.”
Immer wieder bekommen Martin Lautenschlager oder auch Mitarbeiter des Bauhofes von Bürgern zu hören, dass es auf einzelne Straßenbäume doch wohl nicht ankomme. Im Regental stünden doch Millionen von Bäume. Martin Lautenschlager weist aber darauf hin, dass es für Vögel oder Insekten einen Zusammenhang zwischen Wald, Straßengrün und Gärten geben müsse: „Wenn ein Vogel nur Wald hat, kommt er nicht.“ Auch für Reinhold Viehbacher gilt das Argument vom nahen Wald nur bedingt: „Wenn es heiß ist, befindet sich der Bürger zumeist nicht in den Regenauen
oder am Schlossberg, sondern bei sich zu Hause.“ Jeder Baum, der Wasser verdampfe, kühle unmittelbar vor Ort.

Bäume als Klimaschützer
Die Stiftung „Die grüne Stadt“ hat ausgerechnet, was ein Baum für das Kleinklima leistet und nennt die Zahlen am Beispiel einer hundertjährigen Buche, die etwa 20 Meter hoch ist und einen Kronen-durchmesser von zwölf Metern hat. Rund 18 Kilogramm Kohlendioxid verarbeitet dieser Baum an einem Sonnentag. Da der Baum pro Tag etwa 400 Liter Wasser verdunstet, wird die Luft ange-feuchtet und gekühlt. Die 13 Kilogramm Sauerstoff, die der Baum als Abfallprodukt der Fotosynthe-se bildet, decken den Bedarf von etwa zehn Menschen. Würde dieser Baum gefällt, müsste man etwa 2.000 junge Bäume mit einem Kronenvolumen von jeweils einem Kubikmeter pflanzen, wollte man ihn vollwertig ersetzen.

(Text / Fotos: S. Norgall / Markt Regenstauf)


Kleines Bild: Vor jedem Arbeitsgang prüft Tina Lautenschlager anhand des Baumkatasters ganz genau, bei welchen Bäumen Handlungsbedarf besteht.

Großes Bild: Pünktlich vor dem 1. März wurden am Badeplatz in Ramspau kaputte Bäume gefällt und morsche Äste aus Baumkronen geschnitten.