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Palmesel zieht in die Ramspauer Kirche ein

Meldung vom 26.03.2021

Palmesel_Foto:S. Norgall

Der Palmesel, das ist umgangssprachlich bis heute in vielen Familien das Familienmitglied, das am Palmsonntag als letztes aus dem Bett findet. In der Pfarrei St. Laurentius in Ramspau lebt aber heuer altes katholisches Brauchtum um einen ganz besonderen Palmesel auf. Albert Ernst aus Heilinghausen hat dazu eine fast lebensgroße Figur gestaltet. Sie zeigt eine auf einem Esel sitzende Christusfigur, wie dieser, gemäß der Überlieferung, zum Auftakt der Karwoche in Jerusalem einzog. Diese Figur, die fest auf einen kleinen Wagen montiert ist, sollte heuer eigentlich die Ramspauer Palmprozession anführen und eine für das Golddorf neue Tradition begründen.

Pfarrer Christian Blank bedauert es, dass der Palmesel seinen ersten Auftritt aber wohl nur in der Kirche haben wird. Palmprozessionen lassen die Corona-Schutzbestimmungen und Abstandsregeln auch heuer nicht zu.
Als Künstler ein Autodidakt
Das Schnitzen ist für Albert Ernst aus Heilinghausen eine lebenslange Passion. Schon mit 15 Jahren machte der heute 82-Jährige seine ersten Versuche. Das bei den Schnitzern als Rohstoff hoch geschätzte Lindenholz konnte er sich damals freilich nicht leisten. Von den teuren Schnitzmessern durfte er nur träumen. Rein autodidaktisch, durchs Zuschauen, durch Bücher und immer wieder durchs Probieren erreichten seine geschnitzten Figuren oder seine Masken über die Jahre hinweg eine so hohe Kunstfertigkeit, dass sie Kenner begeistern.
Da lag es natürlich nahe, dass man in der Pfarrgemeinde St. Laurentius in Ramspau, die zur Pfarreiengemeinschaft St. Jakobus Regenstauf gehört, an Albert Ernst dachte, als dort im vergangenen Jahr die Idee entstand, die Prozession am Palmsonntag attraktiver zu gestalten. Pfarrer Christian Blank wünschte sich eine Prozession, die nicht nur vom geschmückten Osterbrunnen unmittelbar neben der Kirche bis zum Gotteshaus führen sollte. Und für diese Prozession suchte man nach einer besonderen Aufwertung.
Schnell kamen Pfarrer Christian Blank und Pfarrgemeinderätin Lydia Rausch dabei auf die Figur des Palmesels, der bis heute im süddeutschen Raum gelegentlich die Prozession anführt. Vom Wunsch nach einem geschnitzten Esel bis zum möglichen Schöpfer Albert Ernst war der Weg für die Ramspauer nicht weit.
„Zu Machen ist das schon, aber ich muss erst ausprobieren wie“, antwortete Albert Ernst auf die Anfrage. Aber sein Ehrgeiz war geweckt und er begann zu experimentieren. Bald stand für ihn fest, dass er eine fast lebensgroße Christusfigur, die auf einem Esel sitzen sollte, nicht ganz aus Holz schnitzen wollte. So eine Figur wäre viel zu schwer, um von den Ministranten durchs Dorf gezogen zu werden, sagt er. Also improvisierte er.

Aus einem Holzskelett und Hasendraht formte er den Korpus des Esels und der Christusfigur. Die Feinarbeiten gestaltete er mit Pappmaschee. Dabei zeigt sich das hervorragende Vorstellungsvermögen und die Detailliebe von Albert Ernst. Sei es die Mähne oder der Schweif, alle sichtbaren Feinheiten sind in Pappmaschee fein herausgearbeitet. Kopf, Hände und Füße der Christusfigur sind aus Lindenholz geschnitzt. Sie demonstrieren die hohe Kunstfertigkeit von Albert Ernst.
Esel wuchs Schicht um Schicht
Viele Wochen ging Albert Ernst jeden Tag in seine Werkstatt. Eine Schicht Pappmaschee legte sich auf die andere. Und wenn der Korpus aus Papier und Tapetenkleister trocknen musste, setzte ihn Albert Ernst in die Sonne auf den Wurzelstock vor seine Werkstatt. Als Pfarrer Christian Blank die Figur im Februar besichtigte, zeigte er sich begeistert, auch wenn der unbemalte Rohling noch ein bisschen „nackert“ war.
In der Vergangenheit bekamen viele der geschnitzten Kunstwerke von Albert Ernst ihre farbliche Fassung durch den Karlsteiner Künstler Johann Eisenhut. Nach dessen Tod im vergangenen Jahr stellte der ehemalige Ramspauer Ortspfarrer Josef Vogl den Kontakt zu dem Regensburger Restaurator Rudolf Eis her. Die Firma Eis wird die Figur farblich veredeln.
Vorstellung nahm Gestalt an
Schon vor dem Palmesel waren es zumeist religiöse Motive, die Albert Ernst mit seiner Schnitzkunst zu plastischem Leben erweckte. Immer wieder kehrte er zu Krippenmotiven zurück. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf das Geschehen rund um die klassische Weihnachtskrippe. Vorlagen benutzte er keine: „Ich habe es einfach so gemacht, wie ich es mir vorstellte“. So entstand etwa die Verkündigungsszene mit Maria und dem Engel Gabriel oder die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Auch da reitet Maria auf einem Esel. Beim Blick in ihr Gesicht überrascht den Betrachter Vertrautes. Fast gleicht ihr angedeutetes Lächeln ein wenig dem, des berühmten Verkündigungsengels im Regensburger Dom. Zu sehen sind diese Krippenszenen, je nach Jahreszeit, in einem Schaukasten vor dem Haus von Albert Ernst im Gailenberger Weg in Heilinghausen.
Masken für den Fasching
Doch die Schnitzkunst von Albert Ernst, der als gelernter Schmied viele Jahre in der Maxhütte arbeitete, hat auch andere Seiten. In seiner Werkstatt finden sich einfach gefertigte, grob behauene Feuerwehrmännchen und ein rot bemaltes Feuerwehrauto. Mit ihrer Hilfe schulte der langjährige Feuerwehrkommandant und Ortssprecher von Heilinghausen seine Kammeraden und stellte genau nach, wie sich der Angriffs- oder Schlauchtrupp beim Einsatz positionieren mussten.

Wesentlich kunstfertiger sind seine Masken, die er für das Faschingstreiben der Heilinghauser Kinder schnitzte. Auch dafür ging Albert Ernst mit Bedacht und viel Kenntnis ans Werk. Er fertigte nicht einfach nur schaurige Masken, sondern informierte sich vorher genau beim ehemaligen Bezirksheimatpfleger Dr. Adolf Eichenseer. So entstanden überlieferte Schreckensgestalten aus der Oberpfalz, der Goaßkopf oder die Teufelsfratze. Abseits von den Masken, die für den Gebrauch bestimmt waren, entstanden auch künstlerische Exemplare. Der faszinierende Kopf der Meduse, der sich an antiken Vorlagen orientiert, hätte schon viele Liebhaber gefunden. Doch Albert Ernst will sich nicht davon trennen.
„Die Finger gehen halt nicht mehr so und manchmal dauert es etwas länger“, sagt Albert Ernst, der im September seinen 83. Geburtstag feiert, über sein künstlerisches Schaffen. Weitermachen wird er aber ganz bestimmt.
(Text  und Fotos: S. Norgall /Markt Regenstauf)