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A Kripperl gehört an Weihnachten einfach dazu

Meldung vom 11.11.2020

Sattler und Hoffmann

Weihnachten ohne Christbaum. Das wollen sich die meisten von uns nicht einmal vorstellen. Noch mehr Tradition, mehr Kindheitserinnerungen verbinden viele mit der Weihnachtskrippe. Wer an die Weihnachtsgeschichte im Stall gewohnt ist, schwenkt kaum auf prächtige orientalische Krippen um. Wer an Szenerien vor orientalischen Stadtmauern hängt, behält die Weihnachtsgeschichte genauso im Kopf. Doch wer in Bayern spricht schon von der Weihnachtskrippe? Das „Kripperl“, die sprachliche Verniedlichungsform drückt alles aus, für was es steht: Eine liebevolle, detailverliebte, anheimelnde Szenerie. Statt „mitten im kalten Winter“ eher ein Stück heile Welt.
Zwei Regenstaufer schaffen seit Jahrzehnten besondere Krippenszenen. Die Krippen von Karl Sattler oder Eberhard Hofmann, mal Stall, mal orientalisch, finden sich in vielen Regenstaufer Wohnzimmern. Oft waren Sattler und Hofmann auch „nur“ für die Figuren zuständig. Eberhard Hofmann erinnert sich an Aussagen mancher Kunden, wenn diese die weihnachtliche Szenerie wieder um eine Figur ergänzten: „Die Krippe, die baut bei uns der Opa.“

Krippenvirus kam mit den Kindern
Für Karl Sattler, Kunstschreinermeister im Ruhestand, begann die Leidenschaft für den Krippenbau vor über 40 Jahren, als Tochter Melanie geboren wurde. Als er damals alte Krippenfiguren geschenkt bekam, baute er dazu eine orientalische Kulisse. Wie viele Familienkrippen erzählt sie ihre eigene Geschichte. Das Kleinkind Melanie konnte der goldenen Kugel, die das Weihrauchgefäß darstellt, nicht widerstehen. Deshalb trägt sie noch heute ihre Zahnabdrücke.
Bald baute Karl Sattler Krippen auch für den Verkauf. Mit seinen Ställen und Figuren ist er seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Regenstaufer Weihnachtsmarktes. Allerdings verkaufen sich die Krippen heute nicht mehr so gut, gehören nicht mehr selbstverständlich unter den Christbaum. Wobei der Platzierung unter dem Christbaum Eberhard Hofmann energisch widerspricht: „Eine Krippe gehört auf Augenhöhe, damit man alles gut sehen kann.“

Ein Geschenk der Eltern
Wenn Krippenbauer Szenen entwerfen dauert das seine Zeit. „Die Stunden, die da dranhängen, diesen Preis hätte auch früher keiner gezahlt“, sagt Karl Sattler. Kauften junge Familien heute eine Krippe, beginne das oft als Geschenk der Eltern. Den Stall, Maria, Josef und das Jesuskind gebe es als Geschenk. Dann würde jedes Jahr ein bisschen erweitert und angebaut. Besonders Kinder zieht es immer an den Stand von Sattler. Und bei denen stünden vor allem die Tiere hoch im Kurs.
Die eine Weihnachtskrippe gibt es in der Familie Sattler nicht. Rund 30 stehen jedes Jahr zur Wahl. Das absolute Prunkstück schafft es selten oder nur in Teilen ins Wohnzimmer. Auf eine Breite von 2,30 Meter und eine Höhe von 1,60 Metern bringt es die neapolitanische Krippe von Karl Sattler. 2008 kaufte er das Krippengebäude, das, wie es der neapolitanischen Tradition entspricht, aus Korkeiche gearbeitet ist. Dann wurden immer neue Tonfiguren ergänzt. Die Straßenszenen sind so detailreich gearbeitet, dass man immer wieder Neues entdeckt. Dabei muss man sich bei dem bunten Leben erst orientieren, wo in der bunten Fülle die Heilige Familie ihren Platz gefunden hat.

Ein Stern für den Papst
Karl Sattler ist Mitglied im Regensburger Krippenbauverein. Bei der großen Krippenausstellung, die 2021 in Regensburg geplant ist, soll seine neapolitanische Krippe auf jeden Fall dabei sein. Die Krippe ist so besonders, dass sich Bischof Rudolf Voderholzer, ein begeisterter Sammler von Krippen, zu einem Besuch in der Schneitweger Straße angekündigt hatte. Der Besuch musste allerdings verschoben werden. Über den Krippenbauverein lief auch der Kontakt zum Regensburger Antiquitätenhändler Baumann. Den begeisterten die Transportkisten, die Sattler für seine wertvolle Krippe baute. Er beauftragte ihn, so eine Kiste auch für den Transport der Familienkrippe der Familie Ratzinger von Regensburg in den Vatikan zu bauen. Karl Sattler ergänzte als Zugabe die Familienkrippe um den Stern von Bethlehem, den er selbst schnitzte. Nach einer Einladung in die Privatkapelle von Papst Benedikt, wo die Krippe aufgestellt wurde, schnitzte er als Ergänzung auch noch Ochs und Esel.
Hofmann ist Krippenbaumeister
Die Krippenleidenschaft von Eberhard Hofmann reicht wie die bei Karl Sattler über vier Jahrzehnte zurück. Damals schnitzte der Vater seiner Frau Angelika Hofmann für das junge Paar, das aus Fulda stammt, die ersten Krippenfiguren. Hofmann schmunzelt: „Und da habe ich dann eine Krippe gebaut, damit wir noch mehr Figuren bekommen.“
1987 zog das Paar nach Regenstauf. Bereits 1988 schloss es sich dem Regensburger Krippenbauverein an. Nach mehreren Kursen, die der Krippenbauverein organisierte und die Eberhard Hofmann über vier Jahre belegte, durfte er sich Krippenbaumeister nennen. Der inoffizielle Titel, erklärt Hofmann, betont weniger, dass er eine Krippe bauen kann. Das könne jeder. Der Krippenbaumeister zeichnet sich dadurch aus, dass er das Wissen in Kursen weitergeben kann, speziell auch den Einsatz der Werkzeuge. Hofmann schloss sich dem Verband der Bayerischen Krippenfreunde an und gründete den Ortsverein der Krippenfreunde Regental. Nächstes Jahr feiert der Ortsverein, der 19 Mitglieder hat, seinen 25. Geburtstag. Im November 2021 wird eine Tagung des Bayerischen Krippenverbands im Markt stattfinden. Parallel dazu wird eine Krippenausstellung im Pfarrzentrum Diesenbach gezeigt.

Sammlung aus aller Welt
Die eine Familienkrippe gibt es auch in der Familie Hofmann nicht. Zu groß ist die Auswahl aus der eigenen Sammlung, in der es Krippen aus aller Welt, außer Australien, gibt. Gemeinsam initiierten Eberhard Hofmann und seine Frau Angelika, sie ist Religionslehrerin, die Einrichtung einer Jahreskrippe in der Pfarrkirche St. Jakobus. Diese wird abwechselnd dekoriert. Das Gehäuse für die Jahreskrippe schreinerte Karl Sattler.
Beliebt sind auch die Krippenbaukurse, die Hofmann jedes Jahr für Kinder ab neun Jahren im Ferienprogramm des Marktes anbietet. Offiziell heißen die Kurse „Arbeiten mit Holz“ und nicht immer kommt am Ende eine Krippe heraus. Heuer war auch ein bunt bemaltes „Zaubererschloss“ dabei. Aber das, sagt Hofmann, ist ebenso in Ordnung, wie wenn der Krippenstall über das Jahr hinweg als Bauernhof bespielt wird.
Auf Weihnachtsmärkten sind heuer weder Karl Sattler noch Eberhard Hofmann vertreten. Doch Karl Sattler hat schon im November begonnen seine Ställe und Figuren im Verkaufsraum bei sich zuhause aufzubauen, damit die Regenstaufer ihre Krippen auch im Corona-Jahr 2020 ergänzen können.
Ähnlich läuft es bei Eberhard Hofmann. Und wenn der Heilige Abend naht, stehen bei ihm im Hausgang drei Kisten mit Fassungen und Lämpchen bereit, wenn Stallbeleuchtung oder Lagerfeuer ihren Geist aufgeben und schnell ersetzt werden müssen. Manchmal muss Eberhard Hofmann auch in den Kisten im Keller nach einem Jesuskind-Ersatz suchen. Unerklärlicher Weise verschwinden die kleinen Figuren immer wieder mal aus den Weihnachtskisten der Regenstaufer.

(Text und Fotos: S. Norgall/Markt Regenstauf)

 
BU: Links: Karl Sattler vor einem kleinen Teil seiner neapolitanischen Krippe / Rechts: Eberhard Hofmann bestückt die Jahreskrippe in der Pfarrkirche St. Jakobus.